Logistische Varianten

Normalerweise wird ein Artikel in der Basismengeneinheit bestandsgeführt und disponiert.

Für manche Artikel kann es aber notwendig sein, Bestände gleichzeitig in unterschiedlichen Mengeneinheiten zu führen oder auch einen Artikel in unterschiedlichen Mengeneinheiten zu disponieren.

Was sind Logistische Varianten?

Eine logistische Variante ist die Artikelvariante eines Sammelartikels für eine bestimmte Mengeneinheit.

Mittels logistischer Varianten können somit für unterschiedliche Mengeneinheiten eines Artikels getrennte Bestände geführt werden und der Artikel kann pro Mengeneinheit disponiert werden.

Logistische Varianten werden oft im Getränkehandel genutzt.

Beispiel:

Getränk als

  • Einzelflasche
  • 6er-Pack in der Schrumpffolie
  • 12 Flaschen in der Getränkekiste

Wie funktionieren Logistische Varianten?

Bei einer logistischen Variante ist die Mengeneinheit das Merkmal, das zur Erzeugung einer neuen Artikelvariante führt.

Es gibt hierbei immer 2 Arten von logistischen Varianten:

Beschaffungsvarianten: Hierbei wird für jede Mengeneinheit, in der ein Artikel beim Lieferanten bestellt werden kann, eine Artikelnummer erzeugt. Es kann mehrere Beschaffungsvarianten für einen Sammelartikel geben.

Beispiel: Für den Einkauf ist das Getränk

  • bestellbar als: 6er-Pack in der Schrumpffolie (6x 1l PET-Flasche)
  • bestellbar als: 12 Artikel in der Getränkekiste (12x 1l PET-Flasche)

Verkaufsvariante: Es ist die Mengeneinheit, in der ein Artikel für den Abverkauf an den Endkunden geführt wird. In dieser Mengeneinheit werden die Abverkäufe aus dem Bestand ausgebucht. Zu jedem Sammelartikel kann es genau eine Verkaufsvariante geben.

Beispiel: Für den Verkauf ist das Getränk

  • verkaufbar als: 1 Einzelflasche (1x 1l PET-Flasche)

Ein Verkauf in den anderen Produktgrößen ist jedoch möglich. Diese werden dann aber als einfache alternative Mengeneinheiten (AME) in der Variante abgebildet.

Also:

  • AME: 6er-Pack in der Schrumpffolie (6x 1l PET-Flasche)
  • AME: 12 Artikel in der Getränkekiste (12x 1l PET-Flasche)

Das System ermöglicht dadurch:

  • gemeinsame Stammdatenpflege
  • differenzierte Bestände pro Variante
  • separate Bewertung und Planung

Welche Vorteile bieten Logistische Varianten?

Vorteile für die Nutzung der logistischen Varianten sind:

  • Strukturierte Datenhaltung: Übersichtliche Abbildung von Produktvarianten
  • Umsatzsteigerung: Unterschiedliche Verpackungsgrößen für unterschiedliche Kundengruppen (Groß- vs. Einzelhandel).
  • Optimierung der Lagerhaltung: Waren kann auf 2 Lagerplätze verteilt gelagert werden (z.B. als 6er Pack oder als Kasten oder z.B. als Kartonware und als Einzelprodukt)
  • Verbesserte Bestandskontrolle: Getrennte Bestände pro Mengeneinheit möglich

Welche Nachteile haben Logistische Varianten?

Nachteile:

  • Komplexe Stammdatenstrukturen: komplexes Zusammenspiel zwischen Sammelartikel, Variante, Basis- und Alternativmengeneinheiten und ggf. Stücklisten
  • Komplexere Prozesse: Mehr Felder und Prüfungen im System
  • Schulungsbedarf: Anwender müssen den Umgang verstehen
  • Systemanforderungen: Nicht alle Prozesse sind standardmäßig darauf ausgelegt
  • Höherer Abstimmungsbedarf zwischen Fachbereichen

Was ist bei Logistische Varianten zu beachten?

  • Saubere Definition des Hauptartikels
  • Klare und eindeutige Variantenlogik
  • Klare Festlegung, welche Einheit in welchem Prozess verwendet wird
  • Vermeidung unnötiger Mengeneinheiten
  • Abstimmung zwischen Disposition, Lager und Vertrieb
  • Regelmäßige Überprüfung der Mengenkonsistenz

Was ist der Unterschied zwischen Logistische Varianten und klassischen Sammelartikeln?

Logistische Varianten, sind aus technischer Sicht wie Sammelartikel und Varianten aufgebaut, aber im Gegensatz zu klassischen Artikelvarianten geht es hier nicht um Produkteigenschaften, sondern um die logistische Abbildung und Steuerung von Mengen.

Zudem wird in der Regel jeder logistischen Variante in ihrem Artikelstammsatz andere Alternativmengeneinheiten zuordnen. Bei der klassischen Artikelvariante sind die Mengeneinheiten in der Regel identisch und können aus dem Sammelartikel einheitlich vererbt werden.

Empfiehlt sich die Verwendung von Logistischen Varianten?

Ja – insbesondere im Retail- und Logistikumfeld mit komplexen Lieferketten ist der Einsatz sinnvoll.

Sie sind besonders hilfreich, wenn:

  • Beschaffung, Lager und Verkauf unterschiedliche Einheiten benötigen
  • Waren in mehreren logistischen Einheiten bewegt werden
  • eine hohe Standardisierung von Verpackungseinheiten erforderlich ist

Voraussetzung ist jedoch eine klare fachliche Modellierung, da sonst schnell Inkonsistenzen entstehen können.

Wie benutze ich Logistische Varianten richtig?

  • Hauptartikel logisch und stabil definieren
  • Varianten nach einheitlichen Kriterien aufbauen
  • Nur relevante Merkmale als Varianten führen
  • Prozessbezogene Einheiten bewusst zuordnen (Disposition, Lager, Vertrieb)
  • Keine unnötigen zusätzlichen Mengeneinheiten einführen
  • Regelmäßige Abstimmung zwischen Fachbereichen sicherstellen

Wie helfen Logistische Varianten im Alltag?

  • Schnellere Pflege von Artikelstammdaten
  • Bessere Übersicht über Produktfamilien
  • Einfachere Sortimentsplanung
  • Disposition in praxisnahen Einheiten (z. B. Kartons statt Stück)
  • Reduzierung manueller Umrechnungen im Tagesgeschäft
  • Bessere Planung von Transport- und Lagereinheiten
  • Höhere Genauigkeit in der Supply-Chain-Steuerung

Wer kann mich beim Thema Logistische Varianten unterstützen?

Das gicom Transformation Team kennt sich sowohl mit den Herausforderungen logistischer Varianten im Stammdatenumfeld als auch ihrer logistischen Nutzung aus.

Welche Tipps gibt es für Logistische Varianten?

  • Frühzeitig einheitliches Mengenkonzept definieren
  • Frühzeitig ein sauberes Variantenmodell definieren
  • Klare Verantwortlichkeiten für Stammdatenpflege festlegen
  • Prozesse nicht unnötig mit Einheiten „überfrachten“
  • Regelmäßig auf Dubletten oder unnötige Varianten prüfen