SAP Settlement Management in SAP S/4HANA
Was ist SAP Settlement Management?
SAP Settlement Management bündelt jegliche nachgelagerten Abrechnungsprozesse in einem Modul. Es ersetzt die klassischen MM- und SD-Bonusprozesse. Im Zentrum des SAP Settlement Managements stehen das SAP CCM und das SAP Agenturgeschäft (SAP AB).
Das SAP CCM umfasst in seinen Kernprozessen jegliche Form der Bonusabrechnung, wie z.B. Einkaufsboni, Verkaufsboni, Provisionen und Lizenzgebühren.
Das SAP AB ist wiederum spezialisiert auf Abrechnungsvorgänge zwischen Dritten, in denen ein Agent oder eine Agentur zwischengeschaltet ist. Dabei werden in der Regel Dienstleistungen wie z. B. die Verhandlung von Einkaufspreiskonditionen oder die Zahlungsabwicklung zwischen dem Lieferanten und dem Kunden erbracht, die sich der Agent oder die Agentur vergüten lässt.
Welche Möglichkeiten bietet SAP Settlement Management?
1. Konditionskontrakt-Management (SAP CCM)
Ein Hauptbestandteil des Settlement Managements ist das Condition Contract Management. Damit lassen sich komplexe Vereinbarungen mit Partnern flexibel abbilden:
- Kunden- und Lieferantenboni: Automatische Berechnung und Abrechnung von Umsatz-, Mengen-, Staffel- oder Treueboni basierend auf definierten Schwellenwerten.
- Provisionsabrechnung: Verwaltung und Abrechnung von Provisionen für interne Vertriebsmitarbeiter oder externe Handelsvertreter und Agenten.
- Lizenzgebühren: Lückenlose Verwaltung, Überwachung und Abrechnung von Lizenzvereinbarungen (z. B. für geistiges Eigentum) über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
- Konditionskontrakte: Der Vertrag fungiert als zentraler „Single Point of Truth“, in dem Partner, berechtigte Beteiligte, Gültigkeitszeiträume und Konditionen gebündelt sind.
2. Automatisierte Abrechnungsprozesse
Das Modul fasst unterschiedliche Beleg- und Abrechnungsarten zusammen, was den manuellen Aufwand reduziert:
- Zentralfakturierung & Zentralregulierung: Bündelung von Rechnungs- und Gutschriftprozessen, was vor allem im Handel und in Konzernstrukturen wichtig ist.
- Automatische Rückstellungen: Systemgestützte Bildung, Aktualisierung und periodengerechte Auflösung von Rückstellungen für Boni, Provisionen oder Lizenzgebühren (inklusive Delta-Rückstellungen).
- Abrechnungsbelege und -listen: Erstellung von Sammelabrechnungen (Kunden- und Lieferantenabrechnungslisten) und automatisierte Überleitung an die Finanzbuchhaltung (SAP FI)
Warum empfiehlt sich der Umstieg auf SAP Settlement Management?
1. Nachfolge des klassischen Agenturgeschäfts (Modernisierung)
- Zukunftssicherheit: Das alte Agenturgeschäft (MM-RE / SD-AG) ist ein historisches System. Mit SAP S/4HANA wurde das Settlement Management architektonisch grundlegend modernisiert, optimiert und als strategischer Standard für künftige Innovationen etabliert.
- Kompatibilität: Es ist perfekt auf die neue Daten- und Architekturlandschaft von S/4HANA (z. B. das vereinfachte Datenmodell und den Universal Journal Entry in SAP FI) abgestimmt.
2. Bewältigung komplexer Handels- und Vergütungsstrukturen
- Zentralisiertes Kontraktmanagement: Unternehmen, insbesondere im Groß- und Einzelhandel oder in der Konsumgüterindustrie, müssen heute hochkomplexe Bonusvereinbarungen, Staffelrabatte und Konditionen mit hunderten Partnern verwalten. Das Settlement Management bündelt dies zentral in einem System.
- Vermeidung von Umsatzverlusten: Durch automatisierte Berechnungen von vereinbarten Boni, Rückvergütungen oder Provisionen können offene Forderungen und Verbindlichkeiten prozesssicher verarbeitet werden.
3. Effizienzsteigerung und Automatisierung
- Senkung manueller Aufwände: Prozesse wie die Gutschriftenerstellung für Lieferantenboni oder die Provisionsabrechnung für Vertriebspartner laufen weitgehend automatisiert ab.
- Zentralregulierung: Perfekt geeignet für Handelsstrukturen, bei denen ein Zentralregulierer die Zahlungsströme zwischen vielen Lieferanten und Abnehmern bündelt und steuert.
4. Transparente Rückstellungen und finanzielle Sicherheit
- Präzise Delta-Rückstellungen: Das System bildet Rückstellungen für Boni oder Rabatte tagesaktuell und periodengerecht ab. Bei Kontraktänderungen passt das System die Rückstellungen vollautomatisch an („Delta-Logik“).
- Vermeidung von Fehlarbeiten: Reduzierung von Abrechnungsstreitigkeiten mit Lieferanten und Kunden durch eine transparente, nachvollziehbare Herleitung aller Beträge.
5. Moderne UX durch SAP Fiori
- Rollenbasierte Oberflächen: Im Gegensatz zu den alten SAP-GUI-Transaktionen bietet das Settlement Management intuitive Fiori-Apps. Sachbearbeiter, Controller oder Vertriebsleiter sehen auf einen Blick relevante Kennzahlen, offene Freigaben oder fehlerhafte Belege und können direkt eingreifen.
Wie kann gicom das SAP Settlement Management erweitern?
SAP CCM bildet die technische Grundlage für das Settlement Management. gicom bietet darüber hinaus zertifizierte Erweiterungsmodule (SAP Solution Extensions), die je nach Bedarf einzeln oder kombiniert eingesetzt werden können:
- Agreement Documentation (AD) – Digitale Dokumentation und revisionssichere Verwaltung aller Vereinbarungen direkt im SAP-System.
- Smart Agreement Manager (SAM) – Cloud-basierte Verwaltung von Vereinbarungen auf SAP BTP für Unternehmen, die ihre Prozesse in die Cloud verlagern möchten.
- Agreement Negotiation Workbench (ANW) – Simulation und Planung von Vergütungsszenarien vor Vertragsabschluss, für bessere Verhandlungspositionen.
Die Module lassen sich flexibel kombinieren: Unternehmen können mit reiner SAP CCM-Beratung starten und gicom-Module schrittweise ergänzen.