Konditionskontrakt im Alltag – Teil 2: Der Unterschied zwischen „funktioniert“ und „gut gepflegt“
Montagmorgen, drei Monate nach Go-Live
Zwei Kolleginnen sitzen am selben System, lösen dieselbe Aufgabe – und brauchen dafür völlig unterschiedlich lange. Die Eine hat für den neuen Jahreskontrakt zehn Minuten gebraucht: Kopfdaten übernommen, Staffeln aus der Vorlage kopiert, die Gültigkeit gepflegt, fertig. Die andere sitzt eine halbe Stunde später immer noch an der Aufgabe, weil sie unsicher ist, ob sie alle Felder richtig gefüllt und die richtigen Inhalte abgeändert hat. Beide haben denselben Zugriff, dieselbe Schulung besucht – und trotzdem läuft es komplett unterschiedlich.
Genau dieser Unterschied ist das Thema dieses zweiten Teils unserer Blog-Reihe zum Konditionskontrakt im SAP Abrechnungsmanagement (SAP CCM). Denn ein Konditionskontrakt-Prozess kann technisch einwandfrei funktionieren und trotzdem im Alltag holprig bleiben – wenn niemand den Anwender*innen die kleinen Gewohnheiten mitgibt, die den Unterschied machen.
Warum die Aussage „es funktioniert“ nicht reicht
Ein System, das jede erdenkliche Aktion technisch zulässt, ist noch kein System, das gut genutzt wird. Ohne klare Rahmenbedingungen und Routinen entstehen im Alltag schnell unterschiedliche „Privatlösungen“ – die eine legt jeden Nachtrag als neuen Kontrakt an, der andere ändert lieber den bestehenden. Beides mag im Einzelfall technisch funktionieren, sorgt aber auf Dauer für uneinheitliche Daten, schwer nachvollziehbare Historien und Rückfragen, die sich eigentlich hätten vermeiden lassen.
Aus unserer Projekterfahrung bei der gicom haben sich ein paar Gewohnheiten bewährt, die den Unterschied zwischen „es funktioniert irgendwie“ und „es läuft gut“ ausmachen.
Die Basis: Eine saubere Kontraktanlage
– Konsequente Nutzung von Vorlagen für wiederkehrende Kontraktarten, statt jedes Mal bei null anzufangen.
– Einheitliche Nutzung von Kontrakttexten, Bezeichnungen und weiteren Feldern, damit auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Teams auf den ersten Blick verstehen, worum es geht.
– Bewusste Entscheidung zwischen neuem Kontrakt und Nachtrag – als feste Regel im Team, nicht als Bauchentscheidung im Einzelfall.
– Nutzung von Standard Transaktionen und Reports für die saubere Korrektur bestehender Kontrakte und die Anlage von Nachfolgern.
Der Blick auf Gültigkeit und Staffeln
– Nutzung des Standard-Reports zur Kontraktverlängerung, statt Start- und Enddatum manuell zu pflegen – das reduziert Abrechnungslücken und Übertragungsfehler von vornherein.
– Nachvollziehbare Pflege von Staffeln und Stufen, so wie sie tatsächlich verhandelt wurden – nicht als grobe Annäherung.
– Regelmäßiger Blick auf auslaufende Kontrakte, statt erst zu reagieren, wenn die Abrechnung schon ins Stocken gerät.
Kleine Routinen mit großer Wirkung
– Der kurze Kontrollblick vor jedem Abrechnungslauf, den erfahrene Anwenderinnen und Anwender fast automatisch machen.
– Das bewusste Ablegen von Verhandlungsunterlagen oder Vermerken der relevanten Informationen am Kontrakt, damit spätere Rückfragen schnell beantwortet werden können.
– Ein kurzer Austausch im Team, wenn ein ungewöhnlicher Fall auftritt oder sich ein neu erlerntes Doing im System bewährt – bevor daraus eine stille Sonderlösung wird, die niemand sonst kennt.
Warum sich das auszahlt
Diese Gewohnheiten kosten im Alltag ein paar Minuten mehr. Sie ersparen uns aber genau die unschönen Situationen, die richtig viel Zeit kosten: die Rückfrage vom Lieferanten, die sich nicht sauber nachvollziehen lässt; die Abrechnung, die im letzten Moment korrigiert werden muss oder die Vertretung, die einen Kontrakt einfach nicht versteht, weil er anders gepflegt wurde als gewohnt. Gute Kontraktpflege ist am Ende weniger eine Frage des Systems als eine Frage der gemeinsamen Gewohnheiten im Team.
Ausblick
Im nächsten und letzten Teil dieser Mini-Reihe schauen wir uns an, was passiert, wenn trotz guter Gewohnheiten doch mal etwas schiefläuft – und wie ein eingespieltes Team mit Fehlern, Rückfragen und den ersten wirklich kniffligen Sonderfällen im Konditionskontrakt-Alltag umgeht.
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Dies ist Teil 2 unserer Mini-Reihe „Konditionskontrakt im Alltag“.